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27. April
Wie in grossen Teilen Westeuropas kam auch Portugal in den letzten paar Tagen in den 'Genuss' von ziemlich unfreundlichem Wetter. Die Sonne hielt sich versteckt und wir tragen wieder unsere warmen Sachen und warten darauf, dass sie zurückkehrt. Diese Tatsache behinderte jedoch nicht die Feierlichkeiten der 'Revolução de Cravos' am Samstag und in Gois genossen wir den Anblick der Blaskapelle von Varzea, die am Morgen an unserer Geschäftsstelle vorbeimarschierte. Am Nachmittag trafen sich die Pfadfinder unten am Fluss bei Váreza Pequena um Luftballons im Namen der Freiheit aufsteigen zu lassen. Unglücklicherweise entschloss sich die dicke dunkle Wolke, die über uns hing, gerade dann ihre Regentropfen fallen zu lassen, als wir alle zusammengekommen waren um den grossen Ballon aufsteigen zu sehen – aber unerschrocken versammelten wir uns erneut, als der Regen nachliess, um das Aufsteigen der roten, grünen und gelben Ballons, die über uns am grauen Himmel leuchteten zu feiern (die Farben Portugals, natürlich) zum Gedenken an die Freiheit.
22. April
Nach der letzten Woche voller Regen freuen wir uns alle den Sonnenschein wieder geniessen zu dürfen und die Temperaturen beginnen über die 20 Grad Marke zu klettern. Dieser Samstag ist ein 'Feriado' (offizieller Feiertag) zum Gedenken an das Ende der Diktatur in 1974, ein wichtiger Tag für viele Portugiesen, denen dieser Tag noch in lebhafter Erinnerung ist. Dieses Ereignis ist bekannt als 'Revolução de Cravos' (Nelkenrevolution) und wird mit roten Nelken repräsentiert, die in vielen Kulturen als Symbol von tiefstempfundener Liebe stehen. In den Gärten um Góis jedoch sind es nicht die roten Nelken sondern die Rosen, die in prachtvoller Blüte auf sich aufmerksam machen. Manchmal ist es der himmlische Duft, der von einer unscheinbaren Blume aufsteigt, manchmal die reine ungeheure Energie einer berstenden Kletterpflanze, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen und uns staunen lassen. Ich weiss, ich gerate ins Schwärmen – ich liebe Rosen. Rosen, gleich wie Nelken, symbolisieren ebenfalls Liebe. Politik ist Politik und wirkt sich auf unser aller Leben aus – aber die Kraft der Liebe berührt uns immer noch viel tiefer, und der Duft und der Anblick von Rosen ist ein kleiner Tropfen Lieblichkeit für uns alle.
11. April
Nach meinem letzten Blog – Eintrag bekam ich solche Gelüste nach 'Hot Cross Buns', dass mir das Wasser im Munde zusammenlief und ich mich entschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Das Ergebnis meiner Backbemühungen zeige ich Ihnen hiermit mit Stolz und ich muss sagen, sie schmecken so gut wie sie aussehen! Wir sind auch auf unsere Sämlinge stolz, die nun zufrieden auf unserem Fenstersims aufwärts spriessen. Wir befinden uns inmitten der Wachstumssaison und haben Tomaten, Kürbisse und Auberginen, um hier nur ein paar wenige zu nennen, die sich darauf vorbereiten in unseren Garten gepflanzt zu werden. Das Anbauen des eigenen Gemüses gibt einem eine grosse Befriedigung und ist die Mühe in dieser Jahreszeit und dieser Phase wirklich wert, um später im Jahr die Freude der Ernte der Produkte erfahren zu können.
8. April
Wir sind inmitten einer religiösen Woche, welche mit dem Ostersonntag ihren Abschluss findet. Portugal feiert die 'Semana Santa' nicht mit derselben Inbrunst wie Spanien, obgleich auch hier mehrere örtliche Traditionen aufrecht erhalten werden. In der ganzen Region besteht immer noch der Brauch, dass in der Osterzeit der Pfarrer zu Besuch kommt und jedes Haus im Dorf segnet – diejenigen, die diesen Besuch willkommen heissen, lassen die Türe ihres Hauses offen und bleiben drinnen, nie wissend wann der Pfarrer schlussendlich eintreffen wird. Am Palmsonntag wird eine Prozession durch die Strassen von Góis abgehalten und die Leute tragen Äste von Rosmarin und Lorbeer, Oliven und Kamelien mit sich. Der Tradition gemäss wird der Rosmarin und der Lorbeer danach nach Hause mitgenommen um in der Küche während des Restes des Jahres gebraucht zu werden und manchmal wurden so grosse Äste in der Prozession getragen, dass ein Wettbewerb entstand, wer den grössten 'Strauss' mit sich trug. Antstatt Schokoladeneier, besteht die traditionelle Ostersüssigkeit hier aus Zuckermandeln, und Berge von ihnen werden in den örtlichen Läden und Supermärkten zum Verkauf angeboten neben den modernen mit bunter Folie verpackten Ostereiern. Und obwohl wir das Toasten von 'Hot Cross Buns' vermissen (traditionelles süssliches Karfreitags-Gebäck aus Grossbritannien mit Rosinen und einem Kreuz auf der Oberfläche), geniessen wir den wunderschönen portugiesischen'Folar da Páscoa' – süssliches, luftiges Brot in Nestform gebacken mit einem bis zwei hartgekochten Eiern in der Mitte unter einem Gebäckkreuz. Dieses Brot ist traditionell hier in Zentralportugal und der Genuss davon am Ostersonntag nach der Entbehrung während der Fastenzeit soll angeblich Gesundheit und Glück bringen. ('Folar da Páscoa')bedeutet auch Ostergeschenk. Traditionell wurden an Ostern die Patenkinder von ihren Patenonkel und Tanten mit dem Osterbrot, Zuckermandeln und anderen kleinen Geschenken beschert). Ob nun Christlich oder Heidnisch, es ist erstaunlich zu erfahren, dass die uralten Simbole des kosmischen Eies und dem geviertelten Zirkel (wie in den Steinen von Metras vor Jahrtausenden eingeritzt?) immer noch ein wichtiger Teil der Frühlings- und Wiedergeburtszelebration sind.
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