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30. November
Dies war schon immer eine meiner liebsten Jahreszeiten – ein wenig seltsam vielleicht, aber ich geniesse die Kälte in der Luft, die blanken Äste der Bäume und die frühe Abenddämmerung. Jetzt sind nicht mehr so viele Touristen in Góis, dennoch finden ein paar Nachzügler immer noch regelmässig den Weg in unsere Geschäftsstelle und wir freuen uns mit ihnen ein bisschen über Häuser oder deren Leben im allgemeinen zu plaudern! Was mich in dieser ruhigen Jahreszeit beeindruckt ist wie wichtig wir für einander sind – wie uns ein Lächeln oder ein Gruss eines familiäres Gesichts auf der Strasse aufmuntert und glücklich macht – wie die regelmässige tägliche Routine sich um das Sehen von anderen Leuten und was diese auch immer gerade zu gewissen Zeiten an gewissen Orten tun, dreht. Wir haben Glück, dass unsere Geschäftsstelle sich auf dem Hauptplatz in Góis befindet, so dass wir zu anderen Läden und Firmen hinüber schauen können und so herrscht immer geschäftiges Treiben vor unserem Fenster. Es ist nur ein paar Schritte bis zum kleinen Café, das im Winter durch die angrenzende Bäckerei und den Schulter an Schulter am Tresen stehenden Ortsansässigen, die ihren Kaffee und Kuchen geniessen und das gelegentliche Glas 'Aguardente' um die Kälte abzuwehren, geheizt ist . Gestern hatte ich einen dieser ganz speziellen 'Momente', als ich am Ende des Tages die Strasse hinauf schlenderte: Neben der Kirche, die über das Städtchen schaut, wurde ich plötzlich von der Schönheit des Ortes fast überwältigt – der indigoblaue Himmel in der Dämmerung, das Glitzern der Lichter des Städtchens unter mir und der dunkle Gipfel der Peneda de Góis stand Wache über allem. Natürlich schwärmen wir über die Freuden des Sommers in dieser Region, aber auch diese dunkleren Monate haben gewiss eine ganz eigene Magie.
14. November
Es ist unmöglich zu übersehen, dass wir uns mitten in der Olivensaison befinden. Das Fahren durch die Dörfer ist in letzter Zeit noch abenteuerlicher geworden als sonst – zu den wie gewöhnlich sich in der Sonne badenden oder den Autos hinterherjagenden Hunden gesellen sich in den engen Strassen gefährlich wacklige Leitern in seltsamen Winkeln gegen die Olivenbäume gestützt, die (gewöhnlicherweise) kleine ältere Frauen tragen, welche sich im Gewirr der oberen Ästen aufhalten. Erst vor mehr oder weniger einem Monat standen, wo auch immer man hinschaute, Körbe mit Trauben und vor zwei Monaten waren es die Maiskolben, nun sind es die Oliven, überall Oliven soweit das Auge reicht – Oliven auf dem Boden verstreut, Oliven in Kübeln, Oliven eingepackt auf ihrem Weg zur Presse auf den Traktoranhängern. Jeder spricht entweder darüber, dass er die Oliven pflücken muss, oder ist schon aktiv dabei dieser Tätigkeit nachzugehen – möglicherweise sind an diesem Wochenende 50% der Bevölkerung der Region auf einem Olivenbaum! Nun ist die Zeit wo die Olivenpressen in Aktion treten und all dieses wundervolle, reiche grüne Olivenöl ist das Resultat – nicht mehr als Lampenöl verwendet wie früher, aber immer noch ein wesentlicher wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens für so viele.
5. November
Heute war Bonfire Night (am 5. November in Grossbritannien gefeierter Jahrestag der Vereitelung des Sprengstoffanschlags auf das Parlament von 1605) – ein unvergessliches Datum für jeden, der in Grossbritannien aufgewachsen ist! Es war grossartig eine Einladung zu einer Feuerparty erhalten zu haben – zwar gab es keine Nachbildung von Guy ( Guy Fawkes, bekannte Persönlichkeit, die beim Anschlag auf das Parlament involviert war) und kein Feuerwerk, aber ein wundervolles Lagerfeuer sprühte Funken wie Römisches Licht. Im keltischen Kalender ist Samhain, am 31. Oktober, das grösste der Feuerfeste und es scheint wirklich etwas Richtiges daran zu sein zu dieser Jahreszeit ein helles Feuer zu entfachen, da wir sogar hier in Portugal die sich ausbreitende Kälte und Dunkelheit des Winters zu spüren bekommen. Es war wahrscheinlich sogar gut, dass es davor während des grössten Teil des Tages regnete, was bedeutete, dass die Wahrscheinlichkeit einer unbeabsichtigten Ausbreitung des Feuers kleiner war – was hier in den trockenen Monaten immer Grund zur Sorge ist. Wie erhofft liess der Regen am Abend nach und so konnten wir in einer angenehmen Nacht draussen stehen, wie einst unsere Vorfahren ins Feuer starren, und die in den Flammen enthaltene Wildheit und Hitze bestaunen. Unser Lagerfeuer stand in der Nähe des Flusses und in der Dunkelheit konnten wir das Rauschen des Wassers als Kontrapunkt zum Knistern des Feuers hören. Ich finde es ermutigend, dass wir immer noch die Verbundenheit zu den natürlichen Erfahrungen mit den Naturgewalten spüren können – trotz aller Technologie die uns umgibt, gibt es nichts, das mit der effektiven und lebendigen Wirklichkeit von Wind und Erde und Wasser und Feuer zu vergleichen ist.
3. November
Die jährliche Kastanien- und Honigmesse fand an diesem Sonntag in Góis statt, wie immer am 1. November. Für viele Leute besteht dieser Feiertag als erstes aus dem Besuch auf dem Friedhof wo Blumen auf die Gräber gelegt werden und dann wird der Nachmittag auf der Messe verbracht wo die Produkte und das Handwerk bestaunt werden und man sich am traditionellen Folkloretanz erfreut. Wir freuen uns immer auf dieses Fest, das für uns ein wichtiges Ereignis im lokalen Kalender darstellt – allein der Name 'Castanha e Mel' sind genug um mir das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen! Die Herbstblätter haben einen dicken Teppich auf dem Boden des Parque do Baião, wo die Messe stattfand, gebildet und alles ringsherum präsentiert sich in gold-braun – die aufgehäuften Kastanien und Baumnüsse, die Flaschen von Jeropiga und Aguardente und natürlich die grossen Gläser des Serra da Lousã Honigs und die Bienenwachs Kerzen. Ich finde, dass der örtliche Honig der feinste und reinste ist, den ich je probiert habe und ich bin überzeugt, dass jeden Tag ein Löffel davon meiner Gesundheit gut tut – und ich bin mir sicher viele Leute hier in der Umgebung würden mir zustimmen. Kastanien, fettarm und reich an Stärke sind eine gute Nahrungsquelle und waren auf dem lokalen Speiseplan schon immer wichtig und so hat diese Messe tiefe kulturelle Wurzeln. Dieses Jahr jedoch wurde der Tag zunehmend regnerischer und obwohl dies die Tänzer , die Kunsthandwerker oder die wahrhaftig zahlreichen Besucher nicht abschrecken konnte, war es, so leid es mir tut, zu nass um uns zum Bleiben für den Magusto überreden zu können– die Idee nach gerösteten Kastanien im Schlamm zu wühlen fanden wir nicht besonders reizvoll. Aber ich hoffe, dass wir zu dieser Jahreszeit eine Gelegenheit zu einem anderen Magusto bekommen weil es wirklich die beste Art ist Kastanien zu essen – mit den Nachbarn im Gedränge zu stehen und sich dabei die Finger zu schwärzen!
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